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KIR-TALK mit Astrid Söll und Nicole Hannay

Edle Dirndl-Couture ist die Spezialität von Modedesignerin Astrid Söll. Für uns plauderte sie aus dem Nähkästchen.

 

NH: Wie sah Ihr erstes Dirndl aus und in welchem Alter trugen Sie dieses?

AS: Ich muss ca. acht Jahre alt gewesen sein. Mein Vater ging wahnsinnig gern in einem benachbarten Kaufhaus shoppen. Dort kaufte er meiner Schwester und mir ein rot-weiß kariertes Baumwolldirndl. Kurz darauf schubste ich allerdings meine Schwester im Dirndl in unseren Swimming-Pool.

NH: Wie kamen Sie dazu, Dirndl zu designen?

AS: Mode gefiel mir schon immer wahnsinnig gut. Ursprünglich habe ich Kunstgeschichte studiert und zehn Jahre im Konzertbereich gearbeitet. Gemeinsam mit meinem Ex-Mann habe ich seinerzeit die Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Tätigkeit musste ich stets gut gekleidet auftreten und ich habe schon immer einen Großteil meiner Kleider selbst designt. Meine Straubinger Schneiderin hat diese Entwürfe für mich damals umgesetzt. Meine ersten Dirndl habe ich von ihr aus alten indischen Sari-Stoffen nähen lassen. 2011 wurde ich dann gefragt, ob ich diese nicht auch im großen Stil fertigen lassen möchte. Wie die Jungfrau zum Kinde kam, so wurde ich über Nacht zur Dirndl-Designerin.

NH: Ich habe gehört, dass Sie sehr gerne Biografien von großen Künstlern lesen.

AS: Herausragende Lebensgeschichten faszinierten mich schon immer sehr. Ich bin großer Wagner-Fan und habe sämtliche Biografien über Cosima Wagner, Hans von Bülow, aber natürlich auch Richard Wagner gelesen. Es gibt sogar einen Regionalkrimi von Paul Fenzl, „Ausgebrannt“, in dem unser Showroom vorkommt bzw. in Flammen aufgeht.

NH: Welche Geschichte haben Sie zuletzt verschlungen?

AS: Das war ein Buch über eine Adelige aus Ostpreußen, die im 2. Weltkrieg fliehen und ganz neu anfangen musste. Das hat mich etwas an meinen Start erinnert. Ich bin ja 2011 wirklich ins Ungewisse aufgebrochen und hätte es niemals für möglich gehalten, dass ich mit meiner Kollektion so erfolgreich werde.

NH: Ich habe gelesen, dass letztes Jahr ein Fotoshooting Ihrer Kreationen in einer Kirche stattgefunden hat.

AS: Die Kollektion hieß „Engelsträume“. Engel verbindet man größtenteils mit der Kirche und dem Glauben. Somit war für mich, vor allem auch als Kunsthistorikerin, ein barocker Kirchenaltar die perfekte Location. Heuer haben wir auch wieder etwas ganz Besonderes geplant.

NH: Sind Tracht und Dirndl das Gleiche?

AS: Da muss man unbedingt differenzieren. Tracht und Dirndl darf man auf keinen Fall zusammenwürfeln. Da könnte ich jetzt lange ausholen. Ein Dirndl ist immer schon eine Art Kostümierung gewesen für die reichen Damen, die im 19. Jahrhundert auf die „Sommerfrische“ gefahren sind. Diese wollten ein bisserl sexy Mieder und Dekolleté zeigen. Die ersten Dirndl waren geschnürt und eng, aber auch modisch – ein Fantasiekleid. Meine Dirndl sind explizit keine Tracht! Aber ich lasse mich gerne von antik-folkloristischen Elementen und Motiven, wie Stickereien, Schnitten und Materialien inspirieren.

NH: Dann sollte man Ihre Kreationen vielmehr als Dirndl-Couture bezeichnen?

AS: Absolut! Ich war gerade bei meiner Stickerin in Indien. Sie fertigt unter anderem für Dolce Gabbana, Oscar de la Renta oder Armani. Ein Dirndl aus hochwertigen Stoffen mit aufwendiger Schürze hat seinen Preis. Wir lancieren allerdings mit der Otto-Gruppe bei Limango eine erschwinglichere Linie. Bei uns bekommen Sie Dirndl zwischen ca. 350 bis 2000 Euro. Wir schneidern viel auf Maß, vor allem für Konfektionsgrößen ab 40 aufwärts. Ich sage immer: „Es ist keine große Kunst, eine Frau in 34 schick aussehen zu lassen, aber eine Frau in Größe 46 oder 48 gut aussehen zu lassen, das ist Kunst.“

NH: Zu welchem Kleidungsstück greifen Sie morgens als Erstes?

AS: Ich greife immer zu Kleidern. Ich trage nie Hosen. Ich besitze keine Hosen.

NH: Welche Farben würden Sie nie miteinander kombinieren?

AS: Ich kann Ihnen nur sagen, was ich nie anziehen würde, z. B. helles Beige, für Blondinen komplett ungeeignet, so wie helle Mauve-Töne. Ich liebe frische Knallfarben wie Blau, Gelb und vor allem Rot. Man zieht ein Dirndl ja auch an, wenn man feiern geht und ins Auge fallen möchte.

NH: Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

AS: Privat bin ich ziemlich clean. Ich mag keine Froschmäulchen, Rüschen oder Dirndlhaken. Für mich muss das Oberteil eine klare Aussage haben. Unerlässlich: der Schneewittchenkragen! Der macht einen schönen Hals und umrahmt das Dekolleté optimal. Mein Stil ist schon auffallend genug durch Farbe und auch Muster, aber andererseits puristisch. Ich liebe schöne Qualitäten wie Seide und Brokat. Ganz wichtig sind mir unsere leichten Glitzerschürzen. Diese lassen den ganzen Look leichter, geradezu feenartig erscheinen.

NH: Gibt es in jeder Ihrer Kollektionen ein oder mehrere Hochzeitsdirndl?

AS: Wir haben immer fünf bis acht Modelle in der Hochzeitskollektion. Viele Dirndl schneidern wir der Braut auch auf den Leib. Die nächste Hochzeitskollektion wird mit Schmetterlingen übersät sein. Ich habe selbst auch vor drei Jahren in einem langen Seidendirndl geheiratet.

NH: Kann ich ein Hochzeitsdirndl auch nach der Trauung zu einem anderen Anlass tragen? Gibt es etwas zu beachten?

AS: Viele wählen Hochzeitsdirndl in einer leichten, pastelligen Farbe, wie z. B. unser Modell „Waldfee“ in einem ganz zarten Hellblau mit Federschürze. In diesen ganz hellen Sorbet-Tönen, die momentan sehr angesagt sind, kann man das Dirndl zu allen Anlässen tragen. Eine zweite, dunklere Schürze sorgt zusätzlich für Abwechslung, ist aber nicht unbedingt nötig. Viele unserer Kundinnen, wie beispielsweise Laura Käfer, tragen sogar auf dem Oktoberfest ganz weiße Dirndl.

NH: Dürfen Sie uns einige Ihrer prominenten Kundinnen verraten?

AS: Natürlich, gerne! Veronika Ferres haben wir eingekleidet, Désirée Nick ist eine Freundin von mir, Mariella Ahrens kleiden wir regelmäßig ein. Außerdem Simone Ballack oder auch Uschi Dämmrich von Luttitz und viele mehr. Die Liste ist lang.

NH: An welche Frauen denken Sie, wenn Sie Ihre Kollektion entwerfen? Was ist Ihre Zielgruppe?

AS: Unsere Zielgruppe sind ja gar nicht so die jungen Mädchen, eher die Frauen zwischen 35 und 75. Wir versuchen, uns individuell auf die Trägerin einzustellen. Das fängt bei der Länge an. Bis Größe 40 haben wir eine Midi-Länge von 65 cm, danach 70 cm. Das ist auch der Grund, warum wir viel Maßarbeit anbieten. Damit wir den Schnitt des Dirndls den Proportionen der Kundin optimal anpassen können. Ein Mieder darf niemals Falten werfen! Das ist der wichtigste Rat, den ich Ihnen geben kann.

ASTRID SÖLL DIRND COUTURE
Mathildenstraße 2
93049 Regensburg
Tel. 0941/36462

Interview: Nicole Hannay